Ratgeber · Gewerke & Einstieg

Polier: Aufgaben, Ausbildung und wie man Polier wird

Von Aleksandar Djordjevic · Stand 16. Oktober 2026

Ein Polier führt auf der Baustelle die Arbeiter: Er teilt sie ein, leitet sie an und ist für Unfallverhütung und fachgerechte Ausführung verantwortlich. Polier wirst du über die Baustelle, mit Lehre, Jahren als Facharbeiter und meist als Vorarbeiter oder Vizepolier. Der Kollektivvertrag verlangt dafür mindestens 10 Jahre Baupraxis und eine schriftliche Bestellung durch die Firma. In unseren Lebensläufen vergingen vom Berufsstart bis zur ersten Polier-Stelle im Median 11,4 Jahre.

Was macht ein Polier auf der Baustelle?

Der Kollektivvertrag für Angestellte im Baugewerbe und in der Bauindustrie beschreibt die Aufgaben eines Poliers so:

  • die Arbeiter einteilen, anleiten und überwachen
  • die Schichtbücher führen
  • für Unfallverhütung und fachgerechte Ausführung sorgen
  • Höhen und Achsen nach Plan festlegen
  • Pölzungen und Gerüste fachgerecht anlegen lassen
  • Material rechtzeitig anfordern

Mit der schriftlichen Bestellung wirst du Angestellter. Vorarbeiter und Vizepoliere sind noch gewerblich beschäftigt. Der Polier steht im Kollektivvertrag für Angestellte in einer der Polier-Gruppen: M1/P1, M2/P2 oder als Hauptpolier in HP. Die Gruppen M und P gelten für Meister, Poliere und Tiefbaupoliere, HP für Hauptpoliere. M1 und P1 haben dieselben Beträge, ebenso M2 und P2.

Im Tiefbau gilt fast dasselbe. Der Kollektivvertrag nennt den Tiefbaupolier für Baustellen des Tief-, Wasser-, Straßen- und Eisenbahnbaus, mit denselben Aufgaben, 10 Jahren Baupraxis und schriftlicher Bestellung. Die Herkunft aus dem Baufacharbeiter-Stand verlangt er beim Tiefbaupolier nicht.

Welche Stationen führen zum Polier?

Der übliche Weg ist Lehre, Facharbeiter, Vorarbeiter oder Vizepolier, dann Polier und später teils Hauptpolier. So sieht er in unseren Polier-Lebensläufen aus:

Station in den Lebensläufen typische Dauer (Median)
Lehre rund 95 % keine Angabe
Facharbeiter rund 95 % 3,0 Jahre
Vorarbeiter rund 50 % 3,0 Jahre
Vizepolier rund 70 % 3,0 Jahre
Polier alle keine Angabe
später Hauptpolier rund 30 % 6,1 Jahre nach der 1. Polier-Stelle

Quelle: Lebensläufe von Polieren im Hoch- und Tiefbau aus unseren Kandidaten, Stand September 2026. Die Dauer ist jeweils der Median der Lebensläufe, in denen sie angegeben ist. Median heißt: Die Hälfte liegt darunter, die Hälfte darüber.

Zum Kern dieses Wegs passen rund 85 % der Lebensläufe: zuerst Lehre oder Facharbeiter, dann Vorarbeiter oder Vizepolier, dann Polier. Alle Stationen einzeln durchlaufen haben rund 30 % der Poliere. Meist fällt eine der 2 Zwischenstufen weg, oder sie steht als Doppeltitel „Vorarbeiter/Vizepolier“ im Lebenslauf.

Die Zwischenstufen kommen von unten. Von den Vizepolieren und Vorarbeitern, die wir zusätzlich angeschaut haben, kamen fast alle direkt aus der Facharbeiter-Stufe.

Quereinstieg ist beim Polier selten. Das passt zum Kollektivvertrag, denn er verlangt, dass ein Polier aus dem Baufacharbeiter-Stand kommt. Einzelne haben zwischendurch auf die Seite von Bauherr oder Behörde gewechselt, etwa in die Bauaufsicht, oder sich selbständig gemacht.

Wie lange dauert es, Polier zu werden?

Vom Berufsstart bis zur ersten Polier-Stelle vergingen in unseren Lebensläufen im Median 11,4 Jahre (Stand September 2026).

Zum Vergleich der Kollektivvertrag: Polier ist dort, wer aus dem Baufacharbeiter-Stand kommt, mindestens 10 Jahre Baupraxis hat und von der Firma schriftlich zum Polier bestellt wurde. Die Lehrzeit zählt zu den 10 Jahren dazu.

Die Praxisjahre bestimmen also das Tempo. Die Werkmeisterschule kannst du früher fertig haben. Polier im Sinn des Kollektivvertrags wirst du trotzdem erst mit den 10 Jahren und der Bestellung.

Lass dir die Bestellung deshalb schriftlich geben. Ohne sie bist du laut Kollektivvertrag kein Polier, auch wenn du die Arbeit schon machst. Deine Gruppe und deine Jahre in der Gruppe stehen auf dem Dienstzettel, den dir die Firma bei der Aufnahme geben muss.

Welche Ausbildung brauchst du als Polier?

Eine bestimmte Schule schreibt der Kollektivvertrag für den Polier nicht vor. In unseren Lebensläufen hatten rund 95 % der Poliere eine Lehre.

Die häufigste Weiterbildung ist die Werkmeisterschule. Rund 70 % haben sie gemacht, meist berufsbegleitend nach einigen Jahren als Facharbeiter oder Vorarbeiter. Eine Polierschule oder einen Polierkurs hatten rund 15 %, die Baumeisterprüfung rund 10 %, die Bauhandwerkerschule wenige und eine HTL oder Fachschule rund 15 %.

Die Weiterbildung entscheidet über deine Gruppe im Kollektivvertrag. Auf die höhere Polier-Gruppe M2/P2 hast du Anspruch, wenn du 3 Praxisjahre nachweist und eines davon hast:

  • den 4-semestrigen Lehrgang für Werkmeister und Poliere im Baugewerbe beim WIFI oder BFI, mit mindestens 8 Wochenstunden
  • eine 3- oder 4-jährige Bauhandwerkerschule oder einschlägige Fachschule
  • die theoretische Bau- oder Maurermeisterprüfung
  • die HTL-Matura

Ohne eine davon gilt die Gruppe M1/P1, auch bei gleicher Arbeit. Im 1. und 2. Jahr liegt das Mindestgehalt in M1/P1 bei 4.194 Euro brutto im Monat, in M2/P2 bei 4.453 Euro, jeweils 14 Mal im Jahr (WKO, Stand 1. Mai 2026). Alle Stufen stehen im Artikel zur Gehaltstabelle im Kollektivvertrag Bau.

Am Markt liegt das Gehalt darüber. In unseren Vermittlungen verdienten Poliere im Hochbau im Median 84.800 Euro brutto im Jahr. Woraus sich das zusammensetzt, steht im Artikel zum Polier-Gehalt in Österreich.

Was kommt nach dem Polier?

Der nächste übliche Schritt ist der Hauptpolier. Hauptpolier ist laut Kollektivvertrag, wen die Firma wegen besonderer Qualifikation schriftlich dazu bestellt hat, mit Unterschrift für die Firma. Ohne diese Bestellung gibt es die Hauptpolier-Gruppe HP nicht.

Von den Polieren in unseren Lebensläufen wurden rund 30 % später Hauptpolier, im Median 6,1 Jahre nach der ersten Polier-Stelle.

Vom Polier zum Bauleiter ist kein üblicher Weg. Nur etwa jeder 15. Bauleiter in unseren Lebensläufen war vorher Polier, und fast alle davon hatten eine Zusatzausbildung. Wie sich die 2 Rollen unterscheiden und wer den Schritt gemacht hat, steht im Artikel zum Unterschied zwischen Polier und Bauleiter.

Ich vermittle auf der Ebene, auf der du heute arbeitest. Für einen Polier heißt das eine Polier-Stelle bei einer anderen Firma. Wie so eine Vermittlung abläuft, steht im Artikel zum Headhunter am Bau.

Wie findest du heraus, was du als Polier heute wert bist?

Die Stationen oben zeigen dir, wo du auf dem Weg stehst. Was Firmen einem Polier mit deinen Jahren und deiner Ausbildung gerade zahlen, sage ich dir am Telefon.

Mach dafür den Job-Check: ein anonymer Fragebogen, rund 2 Minuten, ohne Lebenslauf. Danach rufe ich dich an, meist noch am selben Werktag. Für dich kostet das nichts, bezahlt werde ich von der Firma, und dein Chef erfährt nichts davon.

Häufige Fragen

Was ist höher, Meister oder Polier?+

Im Kollektivvertrag für Angestellte im Baugewerbe und in der Bauindustrie stehen Meister und Poliere gleich hoch. M1 und P1 haben dieselben Mindestgehälter, ebenso M2 und P2. Darüber liegt die Gruppe HP/OM für Hauptpoliere und Obermeister, in die man nur mit schriftlicher Bestellung durch die Firma kommt.

Kann man ohne Lehre Polier werden?+

Kaum. Der Kollektivvertrag verlangt, dass ein Polier aus dem Baufacharbeiter-Stand kommt, mindestens 10 Jahre Baupraxis hat und von der Firma schriftlich bestellt wird. In unseren Lebensläufen hatten rund 95 % der Poliere eine Lehre (Stand September 2026).

Zählt die Lehrzeit zu den 10 Jahren Baupraxis?+

Ja. Laut Kollektivvertrag wird die Lehrzeit auf die 10 Jahre Baupraxis angerechnet, die ein Polier mindestens braucht. Dazu kommt die schriftliche Bestellung zum Polier durch die Firma.

Was ist der Unterschied zwischen Vorarbeiter und Vizepolier?+

Beide sind Zwischenstufen zwischen Facharbeiter und Polier, und beide sind noch gewerblich beschäftigt. Der Polier ist Angestellter. In unseren Polier-Lebensläufen hatten rund 70 % eine Vizepolier-Stelle und rund 50 % eine Vorarbeiter-Stelle, manchmal steht beides als Doppeltitel in einer Stelle (Stand September 2026).

Wo macht man in Österreich die Ausbildung zum Polier?+

Der Kollektivvertrag nennt den 4-semestrigen Lehrgang für Werkmeister und Poliere im Baugewerbe beim WIFI oder BFI, mit mindestens 8 Wochenstunden. Mit diesem Lehrgang und 3 Praxisjahren hast du Anspruch auf die höhere Polier-Gruppe M2/P2. Polier wirst du aber erst mit 10 Jahren Baupraxis und der schriftlichen Bestellung durch die Firma.

Verdient ein Polier mehr, als im Kollektivvertrag steht?+

Ja. Ein Polier im Hochbau verdient in unseren Vermittlungen im Median 84.800 Euro brutto im Jahr, das sind rund 3.750 Euro netto im Monat (Stand September 2026). Das Mindestgehalt laut Kollektivvertrag liegt in der Gruppe M1/P1 im 1. und 2. Jahr bei 4.194 Euro brutto im Monat, 14 Mal im Jahr (WKO, Stand 1. Mai 2026).

Und jetzt?

Finde in 2 Minuten heraus, was für dich drin ist.

Ein paar kurze Fragen zu dir, deiner Erfahrung und deiner Region. Ich rufe dich an, meist noch am selben Werktag. Anonym, kostenlos, ohne Lebenslauf.

Job-Check starten

100 % anonym · kostenlos · 2 Minuten

Aleksandar Djordjevic
Aleksandar DjordjevicPersonalvermittler für Bau & Technik

Aleksandar vermittelt seit 8 Jahren Fach- und Führungskräfte. Aus seinen über 100 Vermittlungen weiß er genau, worauf es bei einem neuen Job am Bau ankommt.