Ratgeber · Lohn & Marktwert
Gehaltsverhandlung am Bau: So gehst du rein
Die wichtigste Regel für jede Gehaltsverhandlung am Bau: Wer seinen Marktwert nicht kennt, verhandelt nicht, sondern er bittet. Kläre zuerst, was Firmen für deine Rolle und Erfahrung heute zahlen. Dann nenne eine konkrete Zahl, netto im Monat, und begründe sie mit dem, was du kannst und verantwortest. Nicht mit dem, was du brauchst.
Schritt 1: Den Marktwert kennen
Bevor du ins Gespräch gehst, brauchst du eine Bandbreite: Was zahlen Firmen einem Polier, Bauleiter oder Obermonteur mit deiner Erfahrung? Der Kollektivvertrag ist dabei nur das absolute Minimum. Was zählt, ist die Überzahlung, die Firmen wirklich geben. Die kenne ich aus unseren Vermittlungen. Frag mich, das dauert 10 Minuten am Telefon.
Schritt 2: Den Zeitpunkt wählen
Gute Möglichkeiten sind: Nach einem Projekt, das du erfolgreich abgewickelt hast. Wenn ein Kollege gegangen ist und du seine Arbeit mitmachst. Bei der jährlichen Gehaltsrunde, aber vorbereitet. Ein schlechter Zeitpunkt: Mitten in einer Krise auf der Baustelle oder wenn die Firma gerade Leute abbaut.
Schritt 3: Eine Zahl nennen
Nenne eine konkrete Zahl, netto im Monat. Nicht „ein bisschen mehr", nicht „was ist möglich?" Wer keine Zahl nennt, bekommt die kleinste, die die Firma sich vorstellen kann. Die Zahl soll am oberen Rand deiner Bandbreite liegen, aber nicht darüber. Sonst nimmt dich keiner ernst.
Schritt 4: Begründen, was du leistest
Nicht: „Die Miete ist teurer geworden." Sondern: „Ich führe seit 2 Jahren die Baustelle allein, ich habe die letzten 3 Projekte zum Termin abgeschlossen, ich bin der, den ihr anruft, wenn es brennt." Firmen zahlen für Leistung, nicht für private Bedürfnisse.
Schritt 5: Nicht bluffen
Ein Angebot von einer anderen Firma ist das stärkste Argument, das es gibt. Aber nur, wenn es echt ist. Wenn du bluffst und es kommt raus, hast du am Bau ein Problem, das dir lange nachhängt. Wenn du ein echtes Angebot hast, kannst du es ruhig sagen. Dann entscheidet die Firma, ob sie dich halten will.
Was du beim Wechsel anders machst
Beim Wechsel zu einer neuen Firma verhandelst du nicht mehr über eine Erhöhung, sondern über ein Paket: Grundlohn, Überstundenpauschale oder Auszahlung, Firmenauto auch privat, Zulagen, Prämie. Frag nach allen 5 Punkten. Und lass dir das Ergebnis schriftlich geben, bevor du in der alten Firma kündigst.
Wenn du willst, verhandle ich das für dich. Das ist mein Job, und ich mache das jede Woche. Anonym, kostenlos, und am Ende entscheidst du.
Häufige Fragen
Wie viel mehr Lohn kann ich verlangen?+
Beim Wechsel sind 10 bis 20 % netto realistisch, wenn du aktuell unter dem Markt liegst. Bei der eigenen Firma sind 5 bis maximal 10 % ein guter Abschluss, außer du hast ein konkretes Gegenangebot.
Soll ich mit einem Angebot einer anderen Firma drohen?+
Nur, wenn es das Angebot wirklich gibt und du bereit bist zu gehen. Ein Bluff fliegt schnell auf und danach ist das Vertrauen für immer weg.
Netto oder brutto verhandeln?+
Am Bau redet jeder netto. Sag deine Zahl netto im Monat und lass dir vom Personalbüro vorrechnen, was das brutto bedeutet. So gibt es hinterher keine Überraschung.
Was, wenn die Firma nein sagt?+
Frag, was sich ändern muss, damit es ein ja wird, und bis wann. Bekommst du keine klare Antwort, weißt du, woran du bist.
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