Ratgeber · Lohn & Marktwert
All-in-Vertrag am Bau: was gilt und was du vorher fragen solltest
Ein All-in-Vertrag heißt: Dein Dienstvertrag nennt eine Gesamtsumme, in der das Grundgehalt und andere Teile wie Überstunden schon enthalten sind. Steht das Grundgehalt nicht als eigener Betrag drin, hast du laut Gesetz Anspruch auf das Grundgehalt samt üblicher Überzahlung, das vergleichbaren Leuten am Arbeitsort zusteht. Für Angestellte am Bau gilt außerdem der Kollektivvertrag mit 39 Stunden Normalarbeitszeit, 50 % Zuschlag für Überstunden und Regeln für jede Pauschale.
Hinweis: Das ist eine Erklärung in einfacher Sprache, keine Rechtsberatung. Grundlage sind das Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz, das Arbeitszeitgesetz und der Kollektivvertrag für Angestellte im Baugewerbe und in der Bauindustrie, Stand Oktober 2026.
Was bedeutet ein All-in-Vertrag?
Bei einem All-in deckt eine Summe im Monat dein Grundgehalt und weitere Teile deines Entgelts ab, etwa Überstunden oder Zulagen. Welche Teile drinstecken, steht in deinem Vertrag.
Auf deinen Dienstzettel gehört die Höhe des Grundgehalts als Betrag. Fehlt dieser Betrag und steht dort nur die Gesamtsumme, greift eine Regel im Gesetz. Du hast dann zwingend Anspruch auf das „Ist-Grundgehalt“. Das ist das Grundgehalt samt der branchen- und ortsüblichen Überzahlung, das vergleichbaren Leuten bei vergleichbaren Firmen am Arbeitsort zusteht. Von diesem Ist-Grundgehalt aus werden auch die anderen Teile berechnet, etwa die Überstunden, wenn der Kollektivvertrag nichts anderes vorsieht.
Was ist der Unterschied zwischen All-in und Überstundenpauschale?
Bei einer Überstundenpauschale ist das Entgelt für Überstunden in einem festen Betrag geregelt, dazu kommt dein Grundgehalt. Beim All-in steckt auch das Grundgehalt in der Summe.
Für Angestellte am Bau erlaubt der Kollektivvertrag, Überstunden und Erschwerniszulagen in Pauschalbeträgen festzusetzen. Dafür gelten 4 Regeln:
- Die Pauschale wird schriftlich vereinbart.
- Sie legt die durchschnittlichen Überstunden fest, in Stunden, als festen Anteil vom Gehalt in % oder als festen Betrag.
- Die Pauschale trennt Überstunden mit 50 % und mit 100 % Zuschlag.
- Die Pauschale wird für 1 Monat bemessen.
Ist die Pauschale in Stunden festgelegt, siehst du sofort, wie viele Überstunden im Monat abgedeckt sind. Der Zuschlag von 100 % gilt laut Kollektivvertrag für Arbeit zwischen 20 und 5 Uhr und an Sonntagen, außer bei Schichtarbeit.
Was gilt am Bau für Arbeitszeit und Überstunden?
| Regel | Wert |
|---|---|
| Normalarbeitszeit am Bau laut Kollektivvertrag | 39 Stunden pro Woche, die 40. Stunde ist Mehrarbeit mit 50 % Zuschlag |
| Normalarbeitszeit laut Gesetz | höchstens 8 Stunden am Tag und 40 Stunden pro Woche |
| Höchstarbeitszeit | 12 Stunden am Tag, 60 Stunden pro Woche |
| Überstunden | höchstens 20 pro Woche |
| Durchschnitt | höchstens 48 Stunden pro Woche über 17 Wochen |
Der Kollektivvertrag kann den Zeitraum für den Durchschnitt auf bis zu 26 oder 52 Wochen verlängern. Quelle: WKO, Kollektivvertrag Bau Angestellte, Fassung vom 1. Mai 2026, und Rechtsinformationssystem des Bundes, Stand Oktober 2026.
Ein All-in ändert an diesen Grenzen nichts, denn sie hängen im Gesetz nicht davon ab, wie du bezahlt wirst. Überstunden, mit denen du über 10 Stunden am Tag oder 50 Stunden in der Woche kommst, darfst du ohne Angabe von Gründen ablehnen. Benachteiligt werden darfst du deswegen nicht. Für genau diese Überstunden bestimmst du auch selbst, ob du Geld oder Zeitausgleich bekommst.
Für die übrigen Überstunden kann der Kollektivvertrag oder eine Betriebsvereinbarung festlegen, ob es Geld oder Zeitausgleich gibt. Gibt es keine Regel und ist nichts anderes vereinbart, gibt es Geld.
Poliere und Meister müssen auf Auftrag Kontrollgänge vor Arbeitsbeginn und nach Arbeitsschluss machen, bis zu 2 Stunden pro Woche. Diese Zeit zählt laut Kollektivvertrag als Überstunden. Was Poliere samt Pauschale verdienen, steht im Artikel zum Polier-Gehalt.
Für Überstunden gibt es eine Frist. Du musst sie binnen 4 Monaten nach dem Tag geltend machen, an dem du sie geleistet hast, sonst erlischt der Anspruch. Der Kollektivvertrag spricht dabei von Überstunden, die die Firma angeordnet hat. Schreib deine Stunden deshalb selbst mit, Tag für Tag, und auch, wer sie angeordnet hat.
Wie rechnest du nach, was in deinem All-in steckt?
Du brauchst 3 Zahlen: deinen All-in-Betrag, das Mindestgehalt deiner Gruppe und deine Stunden.
- Gruppe und Gruppenalter stehen auf deinem Dienstzettel. Laut Kollektivvertrag stehen Bautechniker in A3, Bauleiter mittlerer, selbständiger Baustellen in A4 und Bauleiter selbständiger Großbaustellen in A5. Poliere stehen in M1/P1 oder M2/P2, Hauptpoliere in HP.
- Such das Mindestgehalt deiner Stufe in der Tabelle unten.
- Zieh es von deinem All-in-Betrag ab. Der Rest ist das, was du über dem Minimum bekommst.
- Stell diesem Rest deine tatsächlichen Überstunden gegenüber. Laut Kollektivvertrag ist die Grundlage je Überstunde 1/146 deines Monatsgehalts, dazu kommen 50 % Zuschlag. Bei 5.099 Euro im Monat sind das rund 35 Euro Grundlage und rund 52 Euro je Überstunde.
| Gruppe | 1. und 2. Jahr | nach dem 6. Jahr | nach dem 10. Jahr |
|---|---|---|---|
| A3 | 3.593 € | 4.140 € | 4.504 € |
| A4 | 5.099 € | 5.905 € | 6.445 € |
| A5 | 7.184 € | 7.977 € | kein Wert |
| M1/P1 | 4.194 € | 4.681 € | 5.004 € |
| M2/P2 | 4.453 € | 4.984 € | 5.339 € |
| HP/OM | 4.937 € | 5.531 € | 5.926 € |
Mindestgehälter brutto im Monat, 14 Mal im Jahr, ohne Überstunden und Zulagen. Quelle: WKO, Gehaltsordnung Baugewerbe und Bauindustrie, Angestellte, Stand 1. Mai 2026. Alle Stufen stehen in der Gehaltstabelle im Kollektivvertrag.
Ein Beispiel aus unseren Vermittlungen: Das höchste Jahresbrutto eines Bauleiters im Hochbau lag bei 110.100 Euro, eingestuft in A4 nach dem 10. Jahr, mit 25 Überstunden pauschal im Monat. Das Mindestgehalt dieser Stufe liegt heute bei 90.230 Euro im Jahr. Die rund 19.900 Euro darüber sind Überstundenpauschale, Überzahlung und eventuelle Zulagen (Stand September 2026). Mehr Zahlen stehen im Artikel zum Bauleiter-Gehalt.
Was solltest du vor der Unterschrift fragen?
Ich rate dir, diese Fragen vor der Unterschrift zu stellen und dir die Antworten schriftlich geben zu lassen:
- Wie hoch ist mein Grundgehalt als eigener Betrag?
- In welcher Gruppe und mit welchem Gruppenalter werde ich eingestuft?
- Wie viele Überstunden im Monat deckt die Summe ab, und wie viele davon mit 50 % und mit 100 % Zuschlag?
- Welche Zulagen sind in der Summe enthalten?
- Gibt es Zeitausgleich, und wie werden meine Stunden aufgezeichnet?
Leg auch deine Dienstzeugnisse bereit. Jahre in derselben oder einer höheren Gruppe bei früheren Firmen werden dir laut Kollektivvertrag angerechnet, wenn du sie beim Eintritt bekannt gibst und spätestens innerhalb von 2 Monaten nachweist. Wie du über die Summe verhandelst, steht im Artikel zur Gehaltsverhandlung am Bau.
Wo steht das im Gesetz?
| Was gilt | Fundstelle |
|---|---|
| Dienstzettel mit dem Grundgehalt als Betrag, weiteren Entgeltteilen und gegebenenfalls der Bezahlung von Überstunden | § 2 Abs. 1 und Abs. 2 Z 9 AVRAG |
| Gesamtsumme ohne Grundgehalt als Betrag: Anspruch auf das Ist-Grundgehalt samt branchen- und ortsüblicher Überzahlung | § 2g AVRAG |
| Höchstens 20 Überstunden pro Woche, Durchschnitt 48 Stunden über 17 Wochen, Ablehnung über 10 oder 50 Stunden ohne Nachteil | § 7 Abs. 1 und 6 AZG |
| Normalarbeitszeit 8 und 40 Stunden, Höchstgrenzen 12 und 60 Stunden, längerer Durchrechnungszeitraum per Kollektivvertrag | § 3 Abs. 1, § 9 Abs. 1 und 4 AZG |
| Zuschlag 50 % oder Zeitausgleich, Regel per Kollektivvertrag oder Betriebsvereinbarung, Wahlrecht über 10 oder 50 Stunden | § 10 AZG |
| Normalarbeitszeit 39 Stunden, 40. Stunde ist Mehrarbeit mit 50 % Zuschlag | § 6 Abs. 1 und § 6a Z 5 Kollektivvertrag Bau Angestellte |
| Überstunden sind angeordnete Stunden, 50 % Zuschlag, 100 % zwischen 20 und 5 Uhr und an Sonntagen, Grundlage 1/146 des Monatsgehalts, Geltendmachung binnen 4 Monaten, Kontrollgänge zählen als Überstunden | § 7 Kollektivvertrag Bau Angestellte |
| Pauschale schriftlich, in Stunden, Anteil vom Gehalt oder Betrag, getrennt nach 50 % und 100 %, je Monat | § 15 Kollektivvertrag Bau Angestellte |
| Dienstzettel mit Gruppe, Bruttomonatsgehalt und Gruppenalter, Anrechnung des Gruppenalters binnen 2 Monaten | § 4 und § 10 Z 2 Kollektivvertrag Bau Angestellte |
| Weihnachtsgeld und Urlaubszuschuss | § 12 Kollektivvertrag Bau Angestellte |
AVRAG = Arbeitsvertragsrechts-Anpassungsgesetz, AZG = Arbeitszeitgesetz, Fassungen laut Rechtsinformationssystem des Bundes, Stand Oktober 2026. Kollektivvertrag für Angestellte der Baugewerbe und der Bauindustrie (WKO), Fassung vom 1. Mai 2026.
Wie findest du heraus, ob dein All-in am Markt passt?
Das Nachrechnen zeigt dir, was in deinem All-in steckt. Ob die Summe am Markt passt, zeigt erst der Vergleich mit dem, was andere Firmen für dieselbe Arbeit samt Stunden zahlen.
Mach dafür den Job-Check: ein anonymer Fragebogen, rund 2 Minuten, ohne Lebenslauf. Danach ruft dich Aleksandar an, meist noch am selben Werktag, und rechnet mit dir durch, wo du stehst. Für dich kostet das nichts, bezahlt werden wir von den Firmen, und dein Chef erfährt nichts davon.
Häufige Fragen
Ist ein All-in-Vertrag in Österreich erlaubt?+
Ja. Das Gesetz regelt, was gilt, wenn dein Entgelt als Gesamtsumme vereinbart ist, und der Kollektivvertrag für Angestellte am Bau erlaubt Pauschalbeträge für Überstunden und Erschwerniszulagen. Eine solche Pauschale muss schriftlich vereinbart sein. Fehlt das Grundgehalt als eigener Betrag, gilt das übliche Ist-Grundgehalt am Arbeitsort.
Bekomme ich mit einem All-in-Vertrag 13. und 14. Gehalt?+
Ja, als Angestellter am Bau. Der Kollektivvertrag sieht für alle Angestellten 2 Sonderzahlungen vor: das Weihnachtsgeld zwischen 1. und 15. Dezember in Höhe des Novembergehalts und den Urlaubszuschuss am 30. Juni. Ob auch der Überstundenanteil deiner Summe 14 Mal im Jahr gezahlt wird, steht in deinem Dienstvertrag. Frag vor der Unterschrift nach.
Was muss bei einem All-in auf dem Dienstzettel stehen?+
Auf den Dienstzettel gehört die Höhe des Grundgehalts als Betrag, dazu weitere Teile wie Sonderzahlungen und gegebenenfalls die Bezahlung von Überstunden. Für Angestellte am Bau stehen laut Kollektivvertrag außerdem Eintrittsdatum, Gruppe, Bruttomonatsgehalt und Gruppenalter drauf. Fehlt das Grundgehalt als Betrag, hast du Anspruch auf das Ist-Grundgehalt.
Gilt das Mindestgehalt im Kollektivvertrag auch bei einem All-in?+
Ja. Der Kollektivvertrag nennt es Mindestgrundgehalt: Es steht jedem Angestellten seiner Gruppe zu, ohne Überstunden und Zulagen, auch mit einem All-in. In der Gruppe A4 sind es im 1. und 2. Jahr 5.099 Euro brutto im Monat (WKO, Stand 1. Mai 2026). Rechne nach, wie viel deiner All-in-Summe über dem Mindestgehalt deiner Stufe liegt und wie viele Überstunden du dafür leistest.
Darf ich mit einem All-in-Vertrag Überstunden ablehnen?+
Überstunden, mit denen du über 10 Stunden am Tag oder 50 Stunden in der Woche kommst, darfst du laut Gesetz ohne Angabe von Gründen ablehnen. Benachteiligt werden darfst du deswegen nicht. Für diese Überstunden bestimmst du auch selbst, ob du Geld oder Zeitausgleich bekommst.
Was ist das Ist-Grundgehalt bei einem All-in-Vertrag?+
Das Ist-Grundgehalt ist das Grundgehalt samt der branchen- und ortsüblichen Überzahlung, das vergleichbaren Leuten bei vergleichbaren Firmen am Arbeitsort zusteht. Darauf hast du laut Gesetz zwingend Anspruch, wenn dein Vertrag oder Dienstzettel nur eine Gesamtsumme ohne Grundgehalt als Betrag nennt. Von diesem Grundgehalt aus werden dann auch die anderen Teile deines Entgelts berechnet, wenn der Kollektivvertrag nichts anderes vorsieht.
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